Erfahrungsberichte

Gleiche Chancen und Teilhabe für alle Kinder und Jugendliche


28. März 2022

Ursula Hofmann, Krankenschwester und leitende Hebamme im Kreißsaal bis 2001 am Klinikum ES.

  •  2001 Geburt der Tochter Anne, 4. Kind, die vermeintlich gesund war – sich nicht weiterentwickelte und keine Diagnose hatte bis zum 14. Lebensjahr. ( Diagnose: sehr seltener Gendefekt, kein weiteres Mädchen in Deutschland bekannt) Rollstuhl, Windeln, Magenschlauch, Essassistentz, keine Sprache, 24/7/356 Betreuung.
  •  Elternzeit bis zum 3. Lebensjahr. Ab 2. Lebensjahr, SBBZ Kindergarten für körperlich motorische Entwicklung. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8.20 Uhr-12.00 Uhr und nur Donnerstag 8.20 Uhr-15.30 Uhr
  • SBBZ Kindergartenferien 14 Wochen im Jahr. Kein Ferienprogramm für Kinder ab 2 Jahren im ganzen Landkreis vorhanden.
  • Leitende Position als Hebamme und später auch die komplette 75% Stelle gekündigt, da weder am Klinikum selbst noch im SBBZ- Rohräckerschule, noch durch die Offenen Hilfen ( Lebenshilfen) eine verlässliche Betreuung, sprich regelrechter Ganztag plus mindestens 10 Wochen Ferien abgedeckt waren.
  • Das Verhinderungspflegebudget reichte zur Finanzierung einer verlässlichen Betreuung zu Hause nicht, es hätte auch keine Person bei der Lebenshilfe gegeben, die diese kontinuierliche Betreuungsarbeit übernommen hätte.
  • SBBZ Schule: Öffnungszeiten Mi. und Fr. 8.20 Uhr-12.00 Uhr und nur Mo. Di. Do. 8.20 Uhr-15.30 Uhr
  • Erst ab 2017 Nachmittagsbetreuung und 14 Tage von 14 Wochen Ferienprogramm durch die LH am SBBZ.
  • Ferienprogramme des Vereins Villa, 6 Wochen / Jahr, oder in allen Ferien Caritas Cannstadt (2 Std. Zeitaufwand täglich für Fahrdienst und Übergabe) waren unsere Rettung gegen Vereinsamung für meine Tochter bis zum 18.LJ. und eine inklusive wundervolle Zeit mit Kindern mit und ohne Behinderung.
  • Keine Kurzzeit im Landkreis Esslingen, mit 530.000 Einwohnern. Betroffene Eltern fordern dies beim Landkreis seit 2012: Angebote außerhalb des LK: Ulm, Stetten, Cannstadt, Fasanenhof, Hospiz, sind in der Regel ein Jahr im Voraus zu buchen. Ungewisse Platzvergabe. Urlaub nur mit den Geschwisterkindern, dem Partner oder eine Kur können so nie verlässlich geplant werden.
  • Seit 2020 besucht unsere Tochter, 20, eine Tagesförderstätte von 9.00Uhr-15.30 Uhr. Sie wohnt noch zu Hause. Jetzt suchen wir nach geeigneter Wohnmöglichkeit im LK ES. Für den Personenkreis mit hohem Pflege- und Assistenzbedarf ist so gut wie nichts vorhanden, trotz Nachfrage: Planungen unbekannt. Warteliste auf unbestimmte Zeit.
  • Meine Berufsbiografie endete mit meinem 40. Lebensjahr, das bedeutet – ich gelte auf dem Arbeitsmarkt als ungelernt. Seit 20 Jahren wird nur etwas vom Pflegegeld in meine Rente einbezahlt.

Fazit: Die absolut schlechte Unterstützung und Angebotslage in den Kindergarten- Schul- und Ferienzeiten, und die fehlende Kurzzeit ermöglichen es nur sehr wenigen Frauen berufstätig zu sein und Entlastung für die oftmals sehr erschöpfende Pflege zu finden. Für Regelkinder gibt es weitgefächerte Angebote von Ganztags Kiga, wenig Schließzeiten, Frühgruppe, Kernzeit, Ganztags Schule, Ferienprogrammen bereits umfassend in den Schulen. Warum gilt das nicht für Kinder mit einer Behinderung? Gleiche Chancen und Teilhabe für alle Kinder und Jugendliche. Die Umsetzung der UN-BRK und das Recht auf Teilhabe sind im Landkreis nicht zu finden.

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