Hier stellen wir Bücher vor, von denen wir glauben, dass pflegende Angehörige sie nützlich finden könnten.

Diese Rubrik befindet sich seit Mai 2015 im Aufbau und darf noch wachsen! Unter unseren Mitglieder sind übrigens selbst einige Autoren: Gudrun Born, Erika Marquart, Sophie Rosentreter, Marion Seigel. Mit den Vorstellungen ihrer Bücher starten wir …

 

Coverseite_neuHäusliche Pflege …ist trotz Pflegereform eine Aufgabe mit Risiken und Nebenwirkungen, Gudrun Born

„Aufgrund des demografischen Wandels nimmt die Zahl der hochaltrigen und pflegebedürftigen Menschen und damit der Pflegebedarf deutlich zu, während die Bundesregierung weiter auf familiale Pflege „ambulant vor stationär“ setzt.

Gudrun Born hinterfragt diesen Ansatz kritisch, denn er entspricht nach ihrer Meinung nicht mehr den gewandelten Lebensformen und Wertvorstellungen der Menschen unseres Landes, in dem Erwerbstätigkeit von Männern und Frauen selbstverständlich und wegen sinkender Renten inzwi­schen ein Muss ist.

Die Autorin skizziert gesellschaftliche Hintergründe und belegt mit Zahlen, dass die Übernahme einer häuslichen Pflege (unter den bisher geltenden Bedingungen) für Menschen mit geringem Einkommen ein Risiko ist, denn die Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Pflegekosten ab. Wer um einer Pflege willen den Beruf reduziert oder ganz aufgibt, ist von Altersarmut bedroht.

Doch Gudrun Born nennt nicht nur Schwachstellen des deutschen Systems, sie beschreibt auch beispielhafte Pflegekonzepte der skandinavischen Länder und wirbt für neue, ergänzende Wege, z. B. für Altersvorsorge mit Zeitkonten aus Hilfetausch, eine Methode, die sich in anderen Ländern bewährt.

Das Buch zeigt Zusammenhänge auf und appelliert an die politisch Verantwortlichen, pflegende Privatpersonen nicht einfach als „naturwüchsige Ressource“ einzukalkulieren, sondern den bestehenden Benachteiligungen entgegenzuwirken und „die Pflegenden mehr zu pflegen“.“

Hier können Sie Kapitel 3 des Buches Probe lesen.  Zu beziehen ist es im Buchhandel, bei Amazon oder bei BOD – Books on Demand: ISBN Nr. 978-3-8423-7221-4, Books on Demand, Norderstedt, www.pflegebalance.de

Rezension: Dr. Gabriele Schweickhardt

 

 

balanceakt_bild-kleinBalanceakt – Pflegende Angehörige zwischen Liebe, Pflichtgefühl und Selbstschutz, Gudrun Born

+++ Neuauflage 2017 +++

Das Thema „pflegende Angehörige“ rückt immer mehr in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses, denn die Zahl der Pflegebedürftigen wächst und damit die Zahl derer, die die notwendige Pflegearbeit leisten müssen. Die meisten Ratgeber zu diesem Thema richten ihren Fokus auf das, was für die Kranken zu tun ist, aber wie es den pflegenden Person dabei selbst geht, wie sie mit allen damit verbundenen menschlichen und sozialen Problemen zurechtkommen und woher sie die Kraft nehmen, die Pflegesituation durchzustehen – oft über viele Jahre -, das bleibt vielfach außen vor.

Gudrun Born pflegte ihren schwerbehinderten Ehemann und berichtet aus eigener Erfahrung. Ihr Buch gibt den Pflegenden praktische Tipps und seelische Unterstützung zur Bewältigung der vielfältigen Alltagsprobleme. Ihr Vorbild ermutigt, denn sie betont ausdrücklich, dass Pflegende sich dringend Freiräume schaffen müssen, um Kraft für die Bewältigung ihres schwierigen Pflegealltags zu schöpfen, und sie zeigt Wege auf, wie das möglich ist. Ein absolut empfehlenswertes Buch! Zu beziehen ist es im Buchhandel, bei Amazon oder bei BOD – Books on Demand: NEU: ISBN-Nr.: 978-3-7448-64940-9, Books on Demand, Norderstedt, www.pflegebalance.de
Rezension: Gisela Penzlin

 

Erika Marquart BuchTabu Thema DemenzDas Leben mit einem Demenzerkrankten zu Hause hinter den Kulissen, Erika Marquardt

Unser Mitglied Erika Marquardt hat ihren an Demenz und Parkinson erkrankten Ehemann 10 Jahre betreut und gepflegt. Sie hat ihre eigenen Erfahrungen in Krankenhäusern, mit Behörden und im ganz normalen Alltag festgehalten. Ergänzt hat sie diese um zehn Kurzberichte von anderen pflegenden Angehörigen, die leider vorwiegend unbefriedigende Erfahrungen bei Aufenthalten  mit Demenzpatienten in Krankenhäusern widerspiegeln .

Daraus ist ein lesenswertes 120-Seiten umfassendes Buch geworden – sehr anschaulich  und einfühlsam schildert Erika Marquardt die Anfänge der Krankheit und später auch die schwere Phase und vor allem die vielen Widerstände von außen, die zu überwinden waren. Bestes Beispiel: der lange Kampf mit dem zuständigen Versorgungsamt um die Berechtigung zur Nutzung der Behindertenparkplätze!

Sie beschreibt  Schwieriges und Erfreuliches ihrer Situation mit viel Bodenhaftung und einer Prise Humor, gibt praktische Tipps und will uns vor allem Mut machen, dass es sich lohnt, hartnäckig zu bleiben und gegen Ungerechtigkeiten und Ausgrenzung  anzugehen.

Der Druck der ersten Auflage ist versehentlich vor der Einarbeitung der Korrekturen freigegeben worden – bei aktueller Bestellung  liegt nun die korrigierte Fassung vor! Zu beziehen im Buchhandel, bei Amazon oder bei BoD – Books on Demand, ISBN-Nr. 978-3-7357-4994-9
Rezension: Eberhard Namslau

 

Wir lieben Dich, auch wenn Du uns vergisst, Piper 2014Wir lieben Dich, auch wenn Du uns vergisst! Wie wir besser mit demenzkranken Menschen leben, Sophie Rosentreter/Marion Seigel

Das Sachbuch „Komm her, wo soll ich hin?“ wurde 2014 überarbeitet und neu aufgelegt mit dem Titel „Wir lieben Dich, auch wenn Du uns vergisst“ (Piper Taschenbuch, 12. Mai 2014, ISBN-13: 978-3492303491, 9,90 Euro). Darin geht es um ein Umdenken beim Thema Demenz. Es wendet sich an die breite Öffentlichkeit, die bekanntlich noch immer sehr wenig über die vielen Aspekte der Demenz weiß. Denn die meisten Menschen befassen sich erst dann mit dem Thema, wenn ein Familienmitglied von Demenz betroffen ist. Das Buch ist aber in seiner Intention positiv und zeigt Perspektiven.

Während der Recherchen haben die Autorinnen viele Projekte und Initiativen kennengelernt,  die Leuchtturm-Charakter haben und z.B. Teilhabe fördern oder andere Methoden oder Betreuungsformen erfolgreich werden lassen. Sophie Rosentreter hat selbst die Demenzerkrankung ihre Großmutter Oma Ilse erlebt und mit ihr durchlebt. Ihre Schwierigkeiten, mit ihr zu kommunizieren als sie schon ihre Sprache verloren hatte, haben sie dazu gebracht, für Menschen mit Demenz Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden, die es vorher noch nicht gab: Ihr interaktives Beschäftigungskonzept „Ilses weite Welt“ hilft inzwischen vielen Menschen dabei, einen Weg in die Welt ihrer Angehörigen mit Demenz zu finden. Marion Seigel arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin und PR-Frau: Sie war Chefin vom Dienst, Redakteurin in Verlagen und als PR-Beraterin in Agenturen tätig. Nach ihrer Tätigkeit in einem Pflegedienst bearbeitet sie in ihrer Agentur care-comm die Themen Kranken-, Altenpflege und Demenz.

Das Buch ist nicht nur ein warmherziger Erfahrungsbericht, es bietet eine ausführliche und hilfreiche Zusammenstellung zahlreicher Fakten und wichtiger Anlaufstellen sowie Hilfs- und Kontakthinweise.
Rezension: Dörte Eilers/Das Pflegeportal

Patient ohne Verfügung: Das Geschäft mit dem Lebensende, Matthias Thöns (Autor)

In deutschen Kliniken wird operiert, katheterisiert, bestrahlt und beatmet, was die Gebührenordnung hergibt – bei 1.600 Euro Tagespauschale für stationäre Beatmung ein durchaus rentables Geschäft. Dr. Matthias Thöns berichtet aus seiner jahrelangen Erfahrung von zahlreichen Fällen, in denen alte, schwer Kranke mit den Mitteln der Apparatemedizin behandelt werden, obwohl kein Therapieerfolg mehr zu erwarten ist. Nicht Linderung von Leid und Schmerz, sondern finanzieller Profit steht im Fokus des Interesses vieler Ärzte und Kliniken, die honoriert werden, wenn sie möglichst viele und aufwendige Eingriffe durchführen. Thöns‘ Appell lautet deshalb: Wir müssen in den Ausbau der Palliativmedizin investieren, anstatt das Leiden alter Menschen durch Übertherapie qualvoll zu verlängern.

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten, Verlag: Piper (1. September 2016), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3492057764, ISBN-13: 978-3492057769

Längst überfälliges Gesellschaftsproblem endlich thematisiert
Als Krankenpfleger mit jahrzehntelanger Erfahrung (u.a. Intensivstation und Notfallaufnahme) sowie durch persönliche Erfahrungen im familiären sowie im weiteren sozialen Umfeld kann ich die Einsichten und Lösungsvorschläge von Dr. Thöns nur bejahen. Oft habe ich mir im Laufe meines Berufslebens die Frage gestellt, wo die Grenze von Lebensverlängerung zu Sterbensverlängerung überschritten wird. Dr. Thöns gibt in diesem Buch aus medizinischer wie aus ethischer Sicht gute Antworten. Wie von Dr. Thöns beschrieben, hat die Gesundheitspolitik es nicht geschafft, das Gesundheitswesen vom Lobbyismus zu entflechten. Verständlicherweise müssen betriebswirtschaftliche Aspekte durch die Erbringer von Leistungen im Gesundheitswesen berücksichtigt werden. Dass diese Aspekte allerdings über das Patientenwohl gestellt werden, ist nicht nur ein Versagen der Gesundheitspolitik, sondern auch all derer, die an diesem System verdienen – teilweiser aus eigenem Gewinnstreben, teilweise aus betriebswirtschaftlichen Zwängen. Gleichwohl habe ich viele Ärzte kennengelernt, die im Sinne von Dr. Thöns ethisch verantwortlich handeln und den Patienten als Menschen nicht aus dem Blickfeld verlieren. Dr. Thöns hat ein mutiges Buch geschrieben und Missstände aufgedeckt. Das Buch ist frei von Polemik und in einem sachlichen und ausgewogenen Stil gehalten. Hoffentlich findet dieses Buch viele Leser, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.“
Rezession von G. Walter