Das EU-Projekt ToYAC – Together for Young Adult Carers
wir pflegen war koordinierender Partner in einem von der EU geförderten Projekt: Together for Young Adult Carers – ToYAC. Ziel war es, dieser noch sehr versteckten Gruppe von pflegenden oder begleitenden Angehörigen mit ihren sehr spezifischen Problemlagen und Unterstützungsbedarfen stärkere Aufmerksamkeit zu widmen. Wir konnten hier viel von anderen Ländern lernen. Deshalb stand im Zentrum des Projektes die Beschreibung der Situation in den beteiligten Ländern und der Austausch im Rahmen von Besuchen in den Partnerregionen. Es zeigten sich erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmung der Probleme und der Verfügbarkeit von spezifischen Unterstützungsangeboten.

TOYAC Webseite

„Together for Young Adult Carers“ (ToYAC) – das heißt auf Deutsch „Gemeinsam für junge Erwachsene, die pflegende Angehörige sind“. Und genau darum ging es in dem europäischen Projekt ToYAC, das wir pflegen koordinierte: um 18 bis 24-jährige Frauen und Männer, die pflegen. Diese jungen Erwachsenen sind leider bei uns in Deutschland kaum ein Thema. Pflege – das verbinden die meisten immer noch mit alten Menschen. Dabei sind es gar nicht so wenige junge Erwachsene, die pflegen: Aus Großbritannien wissen wir, dass mehr als 5 Prozent, also jeder zwanzigste junge Erwachsene, Angehörige pflegt. Meist sind es die Eltern oder Geschwister, um die sich die jungen Menschen kümmern; aber auch für Großeltern, Partner oder Freunde sorgen sie. Sie stehen ihren Eltern beispielsweise bei, wenn diese psychisch krank sind, wenn sie an einer Suchterkrankung leiden oder an Multipler Sklerose erkrankt sind. Sie sorgen für ihre Geschwister, wenn diese chronisch oder psychisch krank sind oder wenn sie eine Behinderung aufweisen.

Das Projekt ToYAC dauerte zwei Jahre und endete im Mai 2015. Die Teilnehmer waren sechs Projektpartner aus fünf Ländern:

  • aus Deutschland: wir pflegen e.V.
  • aus Schottland der Carers‘ Trust (Trust pflegender Angehöriger)
  • aus Irland die Care Alliance Ireland (Allianz für pflegende Angehörige Irland)
  • aus den Niederlanden die Stichting MOVISIE (Stiftung MOVISIE)
  • aus Italien: die Anziani e Non Solo società cooperativa (Kooperative Gesellschaft „Alt und nicht allein“) sowie die Azienda di servizi alla persona del Distretto Cesena e Valle savio (Betrieb für personenbezogene Dienstleistungen des Bezirks Cesena und Savio-Tal)

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Projekts auf Englisch: www.youngadultcarers.eu 

Projekt Toyac - Rückblick

(19.10.2014) Neue Informations- und Öffentlichkeitsmaterialien erstellt

Die Mitglieder des ToYAC Projekts haben ein Handbuch erstellt, das die Ergebnisse unserer zweijährigen Arbeit zum Thema Junge pflegende Angehörige zusammenfasst. Für Deutschland haben wir eine Übersetzung gemacht und das Handbuch noch um einen zweiten Teil ergänzt – prall gefüllt mit Hintergrundwissen zum Thema. Dieses Hintergrundwissen basiert im Wesentlichen auf den wegweisenden Arbeiten von Sabine Metzing in Deutschland und Dearden & Becker in Großbritannien.

Sie können das Handbuch hier herunterladen ToYAC Handbuch  oder bei uns als Druckausgabe bestellen: toyac@wir-pflegen.net

Außerdem haben wir 4 Flyer in Postkartenform erstellt, die für die Belange Junger Pflegender sensibilisieren sollen.

Auch diese können Sie bei uns bestellen oder hier ansehen:

ToYAC postkarte1 

ToYAC postkarte2

ToYAC postkarte3

ToYAC postkarte4


(19.10.2014) ToYAC-Workshop in Berlin am 12. September 2014: Junge pflegende Angehörige: versteckt – vernachlässigt – gefährdet. Was können wir in Deutschland von Schottland lernen?

Wir haben über Aktuelles aus dem Projekt ToYAC berichtet und uns intensiv mit der eindrucksvollen Entwicklung in Schottland befasst, über die uns Gäste aus Glasgow berichtet haben.

ToYAC Berlin

Programm zum Workshop

Teilgenommen haben junge Pflegende, Betroffenenverbände, Vertreter aus Praxis, Politik und Wissenschaft. Es ist uns gelungen, Pflegeexperten aller im Bundestag vertretenen Parteien für die Diskussionsrunde zu gewinnen: Erich Irlstörfer (CSU), Mechthild Rawert (SPD), Elisabeth Scharfenberg (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) und eine Vertreterin von Pia Zimmermann (DIE LINKE), die leider erkrankt war.

Hier können Sie den englischen Vortrag aus Schottland und den deutschen Begleittext herunterladen. In Kürze werden wir auch über die wichtigsten Diskussionspunkte informieren.

Begleittext zur Präsentation

Englische Originalversion der Präsentation

Deutsche Übersetzung der Präsentation

Insgesamt war die Rückmeldung zum Workshop außerordentlich positiv und es gibt schon konkrete Ideen zu Weiterarbeit.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an:

Dr. Hanneli Döhner, Leiterin der AG ToYAC: toyac@wir-pflegen.net


(02.05.2014) Bericht vom ToYAC-Workshop in Hamburg am 21. März 2014

Der Workshop in Hamburg war der vierte nach Dublin, Utrecht und Glasgow.  Am 20. März fand wie üblich ein Business Meeting der beteiligten Partner aus den fünf Ländern statt, bei dem die weitere Arbeitsplanung besprochen wurde. Zu dem ganztägigen Workshop am folgenden Tag wurden auch Gäste, v.a. aus Hamburg eingeladen. Die Veranstaltung fand im Seniorenzentrum St. Markus statt, eine Einrichtung mit unterschiedlichen Angeboten wie Heimplätzen, einem ambulanten Pflegedienst und einer Tagespflege. Die Veranstaltung war primär in englischer Sprache, da auch die Gäste gute Englischkenntnisse mitbrachten.

  1. ToYAC Programm deutsch
  2. ToYAC Programme english

Nach der Begrüßung durch Dr. Hanneli Döhner als Vertreterin des Vereins wir pflegen hat sich kurz die gastgebende Einrichtung vorgestellt. Anschließend wurden Tagesablauf und das Projekt ToYAC präsentiert. Die Berichte aus den Niederlanden, Schottland und Irland informierten über die dortigen Unterstützungsangebote für junge erwachsene Pflegende und welche politische Aufmerksamkeit dieser Personengruppe entgegengebracht wird. Die deutschen Teilnehmer musste feststellen, wie weit entfernt wir von diesem Stand sind und nahmen viele Anregungen mit, was hier ganz konkret getan werden kann und muss.

  1. ToYAC Welcome
  2. ToYAC Introduction
  3. ToYAC Summary
  4. TOYAC The Netherlands: Film (wird noch eingestellt)
  5. ToYAC Scotland

In diesem Erklärvideo aus Schottland wird die Situation junger Menschen mit Pflegeverantwortung gut zusammengefasst.

6. ToYAC Ireland

Diskussionsrunde
Benjamin Salzmann, auch Mitglied von wir pflegen und der deutschen AG TOYAC, moderierte eine Diskussionsrunde mit zwei jungen pflegenden Angehörigen aus Schottland und Deutschland. Die Kontraste bezogen auf die Wahrnehmung und Unterstützung in den beiden Ländern konnten durch die beiden Fallgeschichten sehr deutlich gemacht werden. Die Diskussionsbeiträge wurden kontinuierlich in die jeweils andere Sprache übersetzt und die gesamte Runde wurde durch ein professionelles Filmteam aufgezeichnet.

  1. ToYAC Diskussionsrunde

Wir bedanken uns bei Petra Christian-Rauhut und ihrem Filmteam von Video TV in Hamburg für den Mitschnitt der Diskussionsrunde und die Produktion einer 7-minütigen Kurzfassung, die hier als Download zur Verfügung steht.

(20.4.14) Einladung zur Geschwisterkinder Netzwerk-Fachtagung „Bedarfsgerechte Familienentlastung durch Förderung der Geschwisterkinder: Rückblicke, Einblicke, Ausblicke“ am 26. April 2014 im phæno in Wolfsburg.

Weitere Informationen entnehmen Sie der Webseite: geschwisterkind-netzwerk.de

(1.3.14) „Gott und die Welt: Ich lass dich nicht im Stich, Papa!“ Sonntag, 09.03.2014 um 17:30 Uhr im Ersten

Reportage: Teenager pflegen Ihre Eltern. Carsten, zwölf Jahre, sitzt in der Schule in Pöllwitz/Thüringen. Sein 17-jähriger Bruder Manuel büffelt einen Klassenraum weiter für die nächste Mathearbeit. Nur noch wenige Minuten, dann ist die Schule aus und die Jungs können gemeinsam nach Hause fahren. Doch zu Hause, da ist seit dem letzten Skiurlaub nichts mehr so, wie es einmal war. Zuhause warten Schwester Carolin, 20, und ihr Vater Renee, 49. Renee sitzt im Rollstuhl. Er ist ab dem dritten Halswirbel gelähmt und seine Kinder pflegen ihn. Es war ein Skiunfall, der das Leben der Familie auf den Kopf stellte. Als Renee nach drei Wochen aus dem Koma erwachte, war klar: Nichts wird gut. Aus dem einst starken, großen und sportlichen Mann ist ein Pflegefall geworden. Ohne die Hilfe seiner Kinder könnte er nicht zu Hause leben, müsste in ein Pflegeheim. Die Rollen sind neu verteilt. Die Mutter arbeitet Vollzeit, um die Familie zu ernähren. Tochter Carolin hat das Studium an den Nagel gehängt, um rund um die Uhr für den Vater und die pflegebedürftige Oma da zu sein. Die Jungs packen mit an, wenn sie aus der Schule kommen. Die Familie möchte ohne Pflegedienst auskommen. Ein ehrenvolles Vorhaben, doch ob es realistisch ist? Nach einer Studie der Universität Witten pflegen etwa 225.000 Kinder und Jugendliche ihre Eltern. Anstatt mit Freunden auszugehen, organisieren sie die Pflege. Ein Zustand, der für beide Seiten eine große Belastung ist. Die kranken Eltern wissen ganz genau, was sie ihren Kindern zumuten: Sie nehmen ihnen einen Teil ihrer Kindheit, ihrer Jugend, den Spaß, die Neugier und die Unbeschwertheit. Und die Kinder haben keine Alternative. Sie wissen, übernehmen sie nicht einen Teil der Pflege, müssen die Eltern oftmals ins Pflegeheim und das, so das Ergebnis der Studie, können sie mit ihrem Gewissen und ihrer Liebe zu den Eltern oft nicht vereinbaren. (Text entnommen aus Care TRIALOG Newsletter Nr. 92 Feb. 2014)

Junge erwachsene Pflegende werden nicht wahrgenommen

Für einen jungen Erwachsenen bedeutet die Übernahme von Pflegeverantwortung eine spezielle Form der Belastung und Einschränkung. Zum einen sind sie in ihrer beruflichen Entwicklung behindert: Zwischen 18 und 24 beenden sie in der Regel die Schule, sie absolvieren eine Ausbildung oder ein Studium, und sie starten ins Berufsleben. All das können sie als pflegende Angehörige nicht kontinuierlich verfolgen. Schlechtere Prüfungsergebnisse und der Abbruch von Schule, Ausbildung und Studium sind ebenso eine Folge wie Erwerbslosigkeit. Zum anderen führt die Pflege eines Angehörigen für sie auch zu Schwierigkeiten in ihrer persönlichen Entwicklung: Als junge Erwachsene leben sie in der Übergangsphase vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Sie werden selbständig und etablieren sich als eigene Persönlichkeit – der Umzug von der elterlichen in eine eigene Wohnung ist dafür das sichtbare Zeichen. Nur: Wie sollen sie das schaffen, wenn sie sich zu Hause zum Beispiel um ihre kranke Mutter kümmern müssen? So wird nicht nur ihre berufliche Karriere, sondern auch ihre Persönlichkeitsentwicklung von der Pflege beeinflusst. Allerdings leiden sie – wie alle pflegenden Angehörigen! – nicht nur unter den Belastungen der Pflege; sie erwerben in der Pflege ihrer Angehörigen auch Stärken und Kompetenzen, die andere Altersgenossen nicht haben: Verantwortungsbewusstsein, emotionale Stärke, strukturiertes Arbeiten, Sensibilität und Empathie für andere, um nur einige ihrer besonderen Fähigkeiten zu nennen. All das wollen die Teilnehmer der Projektes ToYAC untersuchen und in die Öffentlichkeit bringen. Die Teilnehmer, das sind sechs Projektpartner aus fünf Ländern, neben wir pflegen:

  • aus Schottland der Carers‘ Trust (Trust pflegender Angehöriger)
  • aus Irland die Care Alliance Ireland (Allianz für pflegende Angehörige Irland)
  • aus den Niederlanden die Stichting MOVISIE (Stiftung MOVISIE)
  • aus Italien: die Anziani e Non Solo società cooperativa (Kooperative Gesellschaft „Alt und nicht allein“) sowie
  • die Azienda di servizi alla persona del Distretto Cesena e Valle savio (Betrieb für personenbezogene Dienstleistungen des Bezirks Cesena und Savio-Tal)

Das Projekt ToYAC ist auf zwei Jahre angelegt und wird von der EU-Kommission gefördert. Die Projektpartner führen folgende Aktionen durch:

  • In einer Fragebogenaktion werden nationale Experten zur Situation von Jungen Erwachsenen, die pflegen, befragt. So soll der derzeitige Wissenstand erhoben werden.
  • Es wird eine Internetseite für das Projekt erstellt: www.youngadultcarers.eu Sie ist schon online!
  • Es wird ein Handbuch verfasst, das die Ergebnisse des Projekts präsentiert.
  • Bei fünf internationalen Treffen besuchen sich die Projektpartner, tauschen sich über die nationalen Besonderheiten aus und stellen Beispiele guter Arbeit vor, sogenannte best practices.

Austausch und weitere Informationen

Das erste dieser Treffen hat am 13. und 14 Mai in Dublin (Irland) stattgefunden. Es war sehr spannend zu erfahren, was es in anderen Ländern gibt: So gibt es in Schottland Zuschüsse für Arbeitgeber, die junge Erwachsene mit Pflegeverantwortung anstellen. Das zweite internationale Treffen fand am 7. und 8. Oktober in Utrecht (Niederlande) statt, daran schloss sich an: Schottland (Januar 2014). Die Treffen in Deutschland (Hamburg, 20. – 21. März 2014, am 21. ein öffentlicher Teil) und am Schluss Italien (21. Mai 2014). Wer Interesse an der kostenlosen Teilnahme am Workshop am 21. März im Seniorenzentrum St. Markus, Gärtnerstr. hat, melde sich bitte bei der Projektleitung. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen, deshalb ist eine Anmeldung erforderlich. Sie werden interessante Erfahrungen aus anderen Ländern hören, Betroffene werden berichten und wir wollen überlegen, was wir in Deutschland gemeinsam bewegen können. Deshalb sollten sich insbesondere Träger von Angeboten, Schulen, Berufsschulen, Universitäten, andere Bildungsstätten sowie politisch Engagierte und natürlich Menschen mit eigener Erfahrung beteiligen. Es  hat sich bereits eine deutsche ToYAC-Gruppe zusammengefunden, für die wir Betroffene, Wissenschaftler und Praktiker als Mitstreiter gewinnen konnten, mit denen wir uns regelmäßig austauschen. Insbesondere zu nennen ist hier die intensive Kooperation mit der Fachstelle für pflegende Angehörige in Berlin, vertreten durch Frank Schumann. Weitere Interessenten, insbesondere auch junge erwachsene (ehemals) pflegende Angehörige selbst sind herzlich willkommen. Unser letztes Treffen fand am 13. Februar 2014 in Hamburg statt. Dort ging es vorrangig um die Vorbereitung des Workshops. Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an die Projektleiterin: Dr. Hanneli Döhner: doehner@wir-pflegen.net

Die wichtigsten Informationen in Englisch sind auf der Projekt-Website zu finden: www.youngadultcarers.eu