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Pflege fair verteilen: Gleichstellung braucht mehr Vereinbarkeit und finanzielle Absicherung
Pflege fair verteilen: Gleichstellung braucht mehr Vereinbarkeit und finanzielle Absicherung

Pressemitteilung zum Weltfrauentag

Pflege fair verteilen: Gleichstellung braucht mehr Vereinbarkeit und finanzielle Absicherung

Berlin, 6. März 2026. Zum Weltfrauentag macht der Bundesverband pflegender Angehöriger wir pflegen e.V. auf die enorme Ungleichverteilung der Pflegearbeit aufmerksam: Über 60 Prozent der häuslichen Pflege übernehmen Frauen, bei pflegebedürftigen Kindern sind mehr als 80 Prozent der Hauptpflegepersonen Mütter.

„Unser Pflegesystem stützt sich massiv auf die unbezahlte Sorgearbeit in den Familien. Dort übernehmen noch immer vor allem Frauen die Verantwortung. Das hat gravierende Folgen für ihre Karrierechancen, ihr Einkommen und ihre Altersvorsorge“, erklärt Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied des Bundesverbands. 

Fehlende Entlastungsangebote zwingen viele pflegende Frauen, ihre Berufstätigkeit drastisch einzuschränken. Besonders betroffen sind Mütter pflegebedürftiger Kinder: die Pflege dauert in der Regel ein Leben lang und bedarfsgerechte Entlastungsangebote sind rar. Aber auch Frauen, die ihre Partner oder Eltern pflegen, sind in hohem Maße betroffen. „Zu oft bleibt Frauen nur die Wahl zwischen finanzieller Armut oder völliger Erschöpfung“, so Fischer. „Das ist unhaltbar.“

Der Verband fordert daher massive Investitionen in den Ausbau kommunaler Pflegeangebote. Ambulante Dienste, Kurzzeitpflege und Tagespflege sind entscheidend für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Doch die Angebote reichen bei weitem nicht aus. „Wer Gleichstellung ernst meint, muss in Pflege investieren“, betont Fischer. „Solange Pflege größtenteils privat organisiert wird, bleibt Gleichstellung ein Lippenbekenntnis.“

Die Bundesregierung plant, das Pflegezeitgesetz und Familienpflegezeitgesetz zusammenzuführen und zu vereinbaren. Das allein reicht aber nicht aus. Derzeit haben pflegende Angehörige im Falle einer Freistellung lediglich die Möglichkeit ein zinsfreies Darlehen zu beantragen. „Ein Darlehen ist keine soziale Absicherung“, stellt Sebastian Fischer klar. „Wer jahrelang weniger oder gar kein Einkommen hat, kann auch später keine Schulden zurückzahlen. Das ist realitätsfremd.“

Der Bundesverband fordert daher die Einführung eines Familienpflegegeldes. Eine Einkommensersatzleistung würde pflegende Angehörige finanziell absichern und Anreize für eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit schaffen. „Eine Einkommensersatzleistung entlastet Frauen und motiviert auch mehr Männer, Verantwortung zu übernehmen. Seit 2023 liegen praktikable Vorschläge auf dem Tisch. Es fehlt nicht an Konzepten, es fehlt am politischen Willen“, kritisiert Fischer.

Für Angehörige, die Pflege und Erwerbstätigkeit dauerhaft nicht vereinbaren können, fordert der Verband zusätzlich ein Care-Gehalt sowie eine verlässliche rentenrechtliche Absicherung. „Wer Angehörige pflegt, arbeitet für die Gesellschaft“, sagt Sebastian Fischer. „Diese Arbeit darf nicht in Armut während der Pflege und Altersarmut nach der Pflege enden.“

Zum Weltfrauentag richtet der Bundesverband einen klaren Appell an die Bundesregierung: „Pflege darf nicht länger auf den Schultern von Frauen abgeladen werden“, so Fischer. „Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und sie braucht endlich gerechte, verbindliche und solidarische Lösungen.“

Pressekontakt:

Lisa Thelen, Referentin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 030 4597 5750
E-Mail: medien(at)wir-pflegen.net

Erwerbstätigkeit pflegender Frauen:

Nur 46 Prozent der Hauptpflegepersonen im erwerbsfähigen Alter arbeiten in Vollzeit. Von denen, die in Teilzeit beschäftigt sind, hat etwa die Hälfte ihre Arbeitszeit wegen der Pflegeverpflichtungen reduziert. 28 Prozent der Angehörigen geben ihre Erwerbstätigkeit vollständig auf. Da Zweidrittel der Pflegepersonen weiblich sind, sind sie am stärksten betroffen.

Frauen, die Angehörige pflegen, arbeiten im Schnitt weniger Stunden als Frauen ohne Pflegeverantwortung. Nur 27,4 Prozent von ihnen sind in Vollzeit beschäftigt. 

Fast jede vierte Mutter eines pflegebedürftigen Kindes beendet ihre Erwerbsarbeit. Jede Zweite reduziert ihre Arbeitsstunden. 

Quellen: 

Ehrlich, Ulrike: Familiäre Pflege und Erwerbsarbeit. Auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Aufteilung? In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) (2020): Pflege. Praxis – Geschichte – Politik. Bonn. Seite 174. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/294932/familiaere-pflege-und-erwerbsarbeit/

Kuhlmey, A., Budnick, A. Pflegende Angehörige in Deutschland: Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit. Bundesgesundheitsbl 66, 550–556 (2023). https://doi.org/10.1007/s00103-023-03687-3

Schwinger, A., Zok, K.: Häusliche Pflege im Fokus: Eigenleistungen, Belastungen und finanzielle Aufwände. WIdO-monitor 2024; 21 (1): 1–12. https://www.aok.de/pp/bv/pm/widomonitor-zu-pflegenden-angehoerigen/

Über wir pflegen e.V. 

Die gesellschaftliche Verantwortung und gemeinschaftliche Selbsthilfe zu stärken und Angehörigen über den Austausch mit anderen Pflegenden mehr Anerkennung, Kontakt und Informationen zu geben, ist ein Ziel des Bundesverbandes wir pflegen e.V.  Ein weiterer Schwerpunkt ist die Interessenvertretung gegenüber der Länder- und der Bundespolitik. Der Verband setzt sich seit 2008 für nachhaltige Verbesserungen in der häuslichen Pflege ein. 

Weitere Informationen zum Verein: wir-pflegen.net

Büro in Berlin
  • wir pflegen – Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger e.V.
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