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Forschungsprojekt Well Care – Resilienz pflegender Angehöriger stärken

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Forschungsprojekt Well Care – Resilienz pflegender Angehöriger stärken

Wie kann die psychische Gesundheit pflegender Angehöriger gestärkt werden?

Diese Frage steht im Zentrum des europäischen Projekts Well Care, das von 2024 bis 2027 gemeinsam mit Partnerorganisationen aus den Niederlanden, Italien, Deutschland, Schweden und Slowenien umgesetzt wird. Im Fokus steht die psychische Gesundheit und Resilienz von pflegenden Angehörigen und professionellen Pflegekräften und die Frage, was bereits heute gut funktioniert.

Zu Beginn wurden in allen fünf Ländern Good Practices identifiziert, auf Basis wissenschaftlicher Studien und bestehender Praxisangebote. Entscheidend war dabei nicht nur die Sammlung, sondern die gemeinsame Bewertung: In nationalen Fokusgruppen wurden Kriterien partizipativ entwickelt und die Ansätze darauf basierend wissenschaftlich bewertet und gerankt.

Gute Beispiele aus Deutschland: Wirksame Unterstützung für pflegende Angehörige

Deutschland ist mit acht Good Practices unter den europäischen Top 60 vertreten. Dazu gehört unter anderem das Programm FABEL aus dem ländlichen Raum (Ranking: Platz 12), bei dem geschulte Freiwillige Familien von Menschen mit Demenz über mehrere Wochen begleiteten. Die Freiwilligen wurden qualifiziert und begleitet. Studien zeigten eine Verbesserung der psychischen Lebensqualität und eine Reduktion familiärer Belastung. Ein weiteres Beispiel ist das Dementia Care Management im Rahmen der DelpHi Studie (Ranking: Platz 55), umgesetzt zwischen 2012 und 2014 in Mecklenburg Vorpommern. Hier arbeiteten Hausärzte, Pflegefachkräfte und Angehörige eng zusammen, wodurch sich die Belastung deutlich verringerte.

Gleichzeitig zeigt sich über viele Ansätze hinweg ein wiederkehrendes Problem: Gute Projekte entstehen, zeigen Wirkung und laufen dann aus. Diese Projektlogik führt häufig zu einer Projektwüste, in der viel Wissen vorhanden ist, aber nur ein Teil dauerhaft in die Versorgung übergeht.

Dass es auch anders geht, zeigen zwei Beispiele aus Deutschland, die heute in der Regelversorgung verankert sind. Die Online Beratung pflegen und leben des Zentrum ÜBERLEBEN gGmbH (Ranking: Platz 10) ist ein bundesweit etabliertes Angebot, das pflegenden Angehörigen anonym psychologische Unterstützung bietet und ihre Selbstwirksamkeit stärkt. Das Programm Familiale Pflege (Ranking: Platz 54), entwickelt unter Beteiligung der Universität Bielefeld und umgesetzt in Kooperation mit Krankenhäusern und Pflegekassen, begleitet Angehörige bereits im Krankenhaus und darüber hinaus im häuslichen Alltag und trägt nachweislich zur Stabilisierung von Pflegesituationen bei (verfügbar u. a. in NRW, Schleswig Holstein, Hamburg und Bayern). Diese Beispiele zeigen, dass nachhaltige Lösungen möglich sind.

Lernen von anderen Ländern: Ideen aus Slowenien und den Niederlanden

Ein weiterer zentraler Befund aus allen Ländern ist die Bedeutung von Unterstützung von und für Angehörige als Ergänzung zu bestehenden Angeboten. Viele erfolgreiche Ansätze kombinieren strukturierte Kursformate mit langfristigem Austausch. So bietet das Anton Trstenjak Institut in Slowenien ein mehrwöchiges Trainings- und Unterstützungsprogramm für pflegende Angehörige an (Ranking: Platz 3), das über acht Wochen Wissen, Praxis und Austausch zu zentralen Pflegethemen verbindet. Im Anschluss entstehen lokale Selbsthilfegruppen, die sich regelmäßig weiter treffen und so eine dauerhafte Peer Unterstützung ermöglichen. In den Niederlanden werden sogenannte Vorsorgekreise unter anderem durch die Initiative „Nederland zorgt voor elkaar“ aufgebaut (Ranking: Platz 43): kleine nachbarschaftliche Netzwerke, in denen sogenannte Konnektoren Unterstützung koordinieren, Bedarfe sichtbar machen und dafür sorgen, dass Hilfe im Alltag verlässlich organisiert wird.

Neue Wege für die Selbsthilfe in Deutschland: Entwicklung eines Kursformats für pflegende Angehörige

Aufbauend auf den Erkenntnissen der ersten Forschungsphase entwickeln die deutschen Partner wir pflegen e.V. und die Hochschule Zittau/Görlitz im Jahr 2026 ein neues Kursformat für aktiv und ehemals pflegende Angehörige. Mit diesen wollen wir über das WellCare Projekt hinaus langfristige und tragfähige Angebote zur Erweiterung der Selbsthilfe, der Peer-to-Peer Begleitung und der Stärkung der Resilienz pflegender Angehöriger schaffen. 

Der Kurs ist als niedrigschwelliges, erfahrungsbasiertes und zugleich klar gerahmtes Angebot für pflegende Angehörige konzipiert. Er bereitet pflegende Angehörige darauf vor, andere Betroffene entweder in Selbsthilfezusammenhängen oder im Rahmen einer zeitlich begrenzten Peer-to-Peer-Begleitung zu unterstützen. Im Zentrum stehen psychosoziale Unterstützung, soziale Wiederanbindung, Orientierung im Versorgungs- und Unterstützungssystem sowie die verantwortungsvolle Weitergabe von Erfahrungswissen. 

Büro in Berlin
  • wir pflegen – Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger e.V.
  • Turmstraße 4
    10559 Berlin
  • 030 – 4597 5750
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