Der Bundesverband wir pflegen e.V., Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger, blickt mit Sorge auf die politische Entwicklung der vergangenen Monate und auf den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt. Viele pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderung und ihre Familien fragen sich, ob ihre Rechte auf Teilhabe, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Zugehörigkeit auch künftig geschützt und gestärkt werden.
Pflegende Angehörige tragen bereits heute den größten Teil der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Sie übernehmen Verantwortung, oft über viele Jahre hinweg, und sichern damit das Funktionieren unseres Pflegesystems. Umso besorgniserregender ist es, wenn politische Positionen an Zustimmung gewinnen, die Ausgrenzung fördern oder die Rechte von Menschen mit Behinderung und anderen vulnerablen Gruppen infrage stellen.
Gleichzeitig beobachten wir mit Sorge, dass ableistische und menschenverachtende Äußerungen in sozialen Medien sichtbarer werden. Menschen mit Behinderung werden abgewertet, ihre Rechte relativiert und ihre gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft infrage gestellt. Dieser Entwicklung treten wir entschieden entgegen.
Für uns ist klar: Inklusion ist kein politisches Zugeständnis, sondern ein Menschenrecht. Menschen mit Behinderung haben das Recht, selbstbestimmt zu leben und die Unterstützung zu erhalten, die sie benötigen. Ebenso haben pflegende Angehörige ein Recht auf Entlastung, Beratung und verlässliche Unterstützung.
Die Sicherstellung von Teilhabe und Pflege darf nicht weiter auf Familien verlagert werden. Angehörige können fehlende Strukturen nicht ersetzen. Notwendig sind bedarfsgerechte Unterstützungsangebote, professionelle Hilfen, Assistenzleistungen und eine Pflegepolitik, die die Lebensrealität von pflegenden Angehörigen ernst nimmt.
Der Bundesverband wir pflegen e.V. fordert die politischen Verantwortlichen auf, die Rechte von Menschen mit Behinderung und die Belange pflegender Angehöriger konsequent zu berücksichtigen. Wir wehren uns gegen jede Form von Ableismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit.